Kurzgeschichten, Anthologien

Nach dem Erscheinen des dritten Buches wurde mir bewusst, dass ich mehr als tausend Gedichte geschrieben habe. Auf der Suche nach neuen Wegen hörte ich auf den Vorschlag meiner Jungs, Momente aus meinem Leben niederzuschreiben. Also wechselte ich kurzerhand von der Poesie in die Prosa. So entstand folgendes Buch:

Auf der Rückseite steht die kleine Einführung:
Erleben Sie einen Urlaub an der holländischen Küste. Heimlich organisiert der Ehegatte eine Geburtstagsfeier, doch seine Frau flirtet für einen Moment mit einem anderen Mann, kann sie sich doch so einiges nicht erklären. Ein Spukhaus fördert ungeahnte Geheimnisse zutage. Ist es kein oder doch ein Banküberfall? – Lust auf mehr – gibt so einiges über das Liebesleben preis. Der Herrgottsdackel sucht nach neuen Opfern, wen wird es treffen? Eine Maus in der Küche, die die Enkel heimlich mitbrachten, versetzt eine Oma in Panik ..
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Das Titelbild stammt von dem Bochumer Maler Peter Kaufung. Es stellt drei Bilder zu den Geschichten dar: „Lust auf mehr …“, „Plagegeister“ und „Ein Tag in Holland.“
Hier ein paar Leseproben, viel Spaß damit.

LESEPROBEN

PLAGEGEISTER

Es war am Ende des Sommers 1949. Mein großer Bruder Pit und ich, seine jüngere Schwester Klara, verbrachten die Ferien bei den Großeltern in einem hessischen Dorf. An einem sonnigen Tag erkundeten wir die Umgebung. In einem mit Gras bewachsenen Hohlweg starrten wir auf die obere Kante, wo etwas tiefer reges Leben herrschte.

„Poch, sind das viele!“, rief ich aus. In schmalen Gängen, die wir zum Teil einsehen konnten, huschten unzählige Feldmäuse hin und her.
„Ob wir wohl ein paar fangen können?“, fragte Pit. Mit einem Stöckchen stach er in einen Gang. Die Maus, die plötzlich stehen bleiben musste, riss er mit der linken Hand an sich. Sie zappelte heftig.
„Hier, Klara, steck sie in deine Hosentasche!“, befahl er und wollte sie mir geben. Ich kreischte und wich einen Schritt zurück.
„Das geht nicht! Ich … ich hab Löcher in beiden Taschen“, stammelte ich.
„So was Blödes, muss ich immer alles alleine machen?“
Ich schaute nach unten.
Entschlossen stopfte mein Bruder die zappelnde Maus in seine Hosentasche. Mit einer Hand drückte er gegen den Rand, um sie zu verschließen.
„Was willst du denn mit der Maus machen?“, fragte ich.
Er starrte mich an, dann rief er: „Hörst du die Kirchturmglocken läuten? Auf geht’s! Oma wartet auf uns.“ Mit diesen Worten rannte er los, ich hinterher.

Wir erreichten Omas Haus. Unten an der Haustür atmeten wir durch.
„Pst“, flüsterte er, „ich hol die kleine Holzkiste aus unserem Schlafzimmer.“
Etwas später kam Pit damit zurück.
Laut rief ich nach oben: „Oma, wir sind da!“
„Habt ihr auch die Brennnesselspitzen für den Salat mitgebracht?“
Entgeistert sahen wir uns an.
„Mutti macht den Salat immer ohne Brennnesseln und der schmeckt uns prima“, antwortete Pit.
Mir zischte er zu: „Öffne den Deckel, schnell!“ Aber der klemmte.
„Also habt ihr sie vergessen?“, stellte Oma fest. „Kommt bitte sofort rauf, Schuhe ausziehen und Hände waschen!“
In diesem Moment fiel die Kiste. Pit versuchte sie aufzufangen. Er griff mit beiden Händen zu. Pfeilschnell huschte die Maus aus seiner Tasche. Sie raste nach oben, wo Oma am Herd in einem Topf rührte.
Pit eilte hinterher, ich folgte ihm. Zu spät, die Maus lief über Omas Hausschuh nach hinten, wo sie in einem großen Bogen wieder auf Oma zusauste.
„Oh, nein!“ Oma fiel der Löffel aus der Hand auf den Herd. Es roch nach Schokoladenpudding, dann nach Verbranntem.
Mit einem riesigen Satz stürzte Oma auf einen Stuhl zu, kletterte hinauf. Leider war der zu schwach für diese Aktion und brach zusammen. Oma fiel mit einem Schrei auf den Boden. Die Maus huschte an ihr vorbei, die Treppen hinunter ins Freie.
Pit und ich blickten auf Oma. Sie hielt sich das rechte Handgelenk, an dem sofort eine Schwellung gewachsen war. Tränen rollten über ihr Gesicht.
Opa eilte aus dem Keller herbei.
„Was ist denn hier passiert? Was ist los?“
„Wir wollten das nicht …“, schluchzte ich auf.

„Was wolltet ihr nicht? Was habt ihr gemacht?“ Er eilte zum Herd. Dort stieß er den angekokelten Löffel in den Puddingtopf. Beides bugsierte er ins Spülbecken. Ein entsetzlicher Gestank breitete sich aus. Er riss ein Fenster auf.
Dann baute er sich vor uns auf. Sein Gesicht lief rot an. Ich versteckte mich hinter meinem Bruder. „Ich weiß nicht …“, stammelte Pit.
„Es waren nicht die Kinder“, Oma stöhnte auf. „Es war eine Maus, die mich erschreckt hat.“ Sie wischte sich die Tränen ab. „Alfred, wolltest du nicht gestern Mausefallen aufstellen?“
Opa stand da, starrte auf Oma. Zögernd ging er auf sie zu.
„Komm, ich helf dir beim Aufstehen.“ Er beugte sich zu ihr hinunter.
„Nein, nein, warte, beantworte erst meine Frage. Hast du die Fallen aufgestellt, ja oder nein?“
„Ich weiß nicht“, er zögerte, seine Schultern schienen nach unten zu fallen. Er atmete durch, danach forderte er Oma auf: „Zeig mir bitte deinen verletzten Arm.“
Oma fuhr hoch. Sie kochte förmlich vor Wut. „Du weißt, wie sehr ich diese Tiere hasse! Warum hast du nicht …?“ Sie konnte die Frage nicht vollständig stellen. Mit einem lauten „Aua!“ brach sie erneut in Tränen aus.
Opa strich ihr übers Haar. „Wird schon wieder“, tröstete er sie. „Ich helf dir jetzt erst mal in deinen Sessel.“ Mit barschem Ton wandte er sich an uns.

Dr. Thomas verpasste Oma einen Gipsverband, den sie viele Tage in einer Schlinge tragen musste.
Für Opa ergab sich daraus eine neue Situation: Oma thronte auf ihrem Stuhl und sagte zum Beispiel zu ihm: „Kannst du bitte das Frühstück machen?“
„Ja, klar“, antwortete er. Uns Kindern aber erteilte er den Befehl: „Hallo, ihr beiden, Tisch decken!“ Bald stellte sich heraus, dass sich Opa oft beim Kartoffelschälen oder Brotschneiden verletzte. Wenn er dann blutete, schrie Oma auf: „Alfred, nicht schon wieder!“
Pit und mich sah er aber mit großen traurigen Augen an und seufzte: „Tut mir das leid, lieber Pit, liebe Klara, nun müsst ihr den Abwasch alleine machen!“ Er hielt den von Pit verbundenen Finger hoch.
„Wenn ihr wollt, kann ich euch dabei eine Geschichte vorlesen.“
„Ja, super!“, schrien Pit und ich wie aus einem Mund.
Oma erhob sofort drohend den Zeigefinger, als sie sagte: „Dass du mir bloß keine Mäusegeschichte oder Ähnliches raussuchst!“ …

Fortsetzung folgt, siehe Buch

KEIN APRILSCHERZ

Es war Montag, der 1. April. Der Automat im Vorraum der Sparkasse funktionierte nicht. Um Geld abzuheben, betrat ich deshalb die Schalterhalle.
Als ich seitlich an einem Schalter stand, hörte ich hinter mir einen Schuss. Leute schauten sich um, warfen sich auf den Boden. Ein Mann mit dunklem Anzug, hellem Hemd und Krawatte, offensichtlich ein Bankangestellter, raste an mir vorbei. Ohne zu überlegen, lief ich hinterher. Es ging durch einen Flur, eine Treppe hinunter, wieder durch einen Gang, danach verschwand der Mann durch eine Tür. Ich hechtete ihm nach.

„Tür zu!“, donnerte eine Stimme. „Wir müssen die Tische dagegenstellen! Fassen Sie mit an, los!“
Das war schwierig, denn meine Lunge schien zu bersten. Außer mir und dem jungen Mann gab es noch eine junge Frau in dem Raum. Zu dritt verbarrikadierten wir die Tür. Danach erblickte ich eine vierte Person. Ein kleiner Mann mit rundlicher Figur stand mitten im Zimmer. Mit einem Taschentuch wischte er sich über das Gesicht.
„Hermännchen, schrei nicht so“, flüsterte ihm die junge Dame zu, die auf ihn zueilte. Sie wirkte furchtbar lang und unglaublich dünn, sie hing quasi in dem eleganten blauen Kostüm.
„Gut gemacht.“ Scheinbar übersah er sie. „Geben Sie mir bitte Ihre Handys. Ich muss meinen Chauffeur anrufen. Er soll uns am Hinterausgang rausholen.“
Ich zuckte zurück: „Das geht nicht, mein Sohn wartet auf mich, ich will –“
„Tut mir leid, Herr Direktor, ich krieg keine Verbindung“, sagte der junge Mann.
„Hermännchen, die Leitung ist auch tot“, stellte die Dame fest.
„Sag nicht Hermännchen zu mir, für Sie bin ich Dr. Krautweiler. Her mit dem Handy!
„Es geht nicht, Doktorchen.
„Jan, kannst du mich hören?“, rief ich in mein Gerät.
In dem Moment entriss mir der Direktor das Handy und donnerte los: „Das ist ja wohl die Höhe! Ich brauch die Verbindung nach draußen. Oder wollen Sie ewig hier unten bleiben?“
Wie versteinert starrte ich ihn an. Er versuchte mehrmals, jemanden zu erreichen, aber überall lief nur die Mailbox. Schließlich schrie er: „Krampe, dies ist ein Notruf, melden Sie sich sofort, Direktor Krautweiler.“
Über uns wurde es sehr laut, es ertönten Schreie, wieder fielen Schüsse, Gegenstände krachten zu Boden. Ich zuckte zusammen und blickte hoch.
„Das scheint ein Überfall zu sein. Hoffentlich sind wir hier sicher.“ Zu mir gewandt fuhr der Direktor fort: „Ich muss Ihr Handy konfiszieren, Sie können später telefonieren. Wer sind Sie überhaupt?“
„Ich glaube, ich bin die wichtigste Person in diesem Raum.“ Mit diesen Worten richtete ich mich zu voller Größe auf. „Mein Name ist Heide Kowalski, ich bin Kundin Ihres Hauses. Also benehmen Sie sich bitte entsprechend. Ohne uns Kunden gäbe es schließlich keine Sparkasse.“
„Lassen Sie doch bitte das Streiten!“ Der junge Mann trat auf uns zu, seine rote Krawatte hing wie auf Halbmast. „Mein Name ist Plöger, ich bin Finanzmanager. Bitte, ich brauch das Handy. Meine Frau ist im achten Monat schwanger. Ich weiß nicht, was passiert, wenn sie nichts von mir hört.“ Er streckte seine Hand aus.
Doch der Direktor drehte sich um, vielleicht etwas zu schnell. Er verlor das Gleichgewicht, taumelte, mein Handy fiel zu Boden, Glas splitterte.
„Nein!“, schrien wir alle wie im Chor auf. Es folgte eine Schrecksekunde.
„Hermännchen, was nun?“, stöhnte die Frau auf.
Wild blickte der Direktor die Frau an. Es sah aus, als ob er gleich zuschlagen würde.
„Verdammt!“, fluchte ich. „Statt uns hier gegenseitig zu zerfleischen, sollten wir lieber überlegen, wie wir uns alleine aus der Situation befreien können … Wo sind wir überhaupt?“
Die Frau meldete sich: „Mein Name ist Meier. Ich bin zuständig für die Banksafes. Dieser Raum ist das Vorzimmer zu den Schließfächern.“
„Haben Sie den Schlüssel für den nächsten Raum bei sich?“, fragte der Direktor.
„Natürlich.“
In diesem Moment ging das Licht aus. Jemand versuchte, die Tür von außen mit Gewalt aufzubrechen.
Herr Plöger deutete mit seiner Handytaschenlampe auf den Durchgang zu den Schließfächern. Wir eilten dorthin und Frau Meier schloss auf. Innerhalb weniger Sekunden passierten wir die Tür, die Frau Meier sofort abschloss. Danach hörten wir dumpfe Geräusche.
„Jemand hat sich mit Gewalt Zutritt zum Vorzimmer verschafft. Sind wir hier sicher?“
„Ja, dieser Raum mit der Tür ist bombensicher. Nur –“, Frau Meier zögerte, „ich weiß nicht, wie lange die Luft zum Atmen hier reicht. Ohne Strom fällt die Belüftung aus.“
„Bitte, nicht aufregen, einfach ruhig hinsetzen“, ordnete der Direktor an. „Wer hat den Zweitschlüssel?“
„Hermännchen, der liegt doch oben in deinem Tresor.“ Frau Meier schluchzte laut auf.
„Wahnsinn“, Herr Plöger zitterte am ganzen Körper, mit ihm das Lampenlicht. „Ob ich meine Frau, mein Kind jemals sehen werde?“
Der Bankdirektor sank kraftlos auf einen Stuhl, er wirkte wie ein Häufchen Elend.
Stille brach über uns herein.

Ich schloss die Augen. Wie in einem Film sehe ich mich plötzlich vor unserem Haus stehen. Mein Sohn Jan reicht mir einen Luftballon. „Halt dich dran fest!“
Ich befolge seinen Rat. Langsam spüre ich, wie ich mit dem Ballon vom Boden abhebe.
Jan nimmt alles mit meinem Handy auf.

„Das ist es“, murmelte ich leise, „das Handy von Frau Meier!“ Ich schlich zum Direktor, fasste in seine Hosentasche, er merkte nichts. Ich ergriff Frau Meiers Telefon und wählte die Notrufnummer. Der Ruf ging durch.
Konzentriert beschrieb ich unsere Lage. Als Letztes fügte ich hinzu: „Die Luft wird dünn, wir können kaum atmen. Bitte helfen Sie uns, sofort!“
Alle blickten auf mich.
„Es hat geklappt“, rief ich ihnen zu, „gleich werden wir befreit!“ …

Fortsetzung folgt, siehe Buch

„HANNIBA, HANNIBAL!“

Wir kamen vom Fußballplatz und es dämmerte bereits, als mich mein kleines Herrchen Pit anleinte.
„Auf, Petzi, wir müssen los“, rief er mir zu.
Ich sprang sofort auf. Wir liefen einen Feldweg entlang und sahen bereits das Haus, in dem Pit, seine Familie und ich wohnten.
Plötzlich kam mir ein Geruch vom Boden entgegen, der mich abrupt stoppen ließ.
Pit strauchelte. „Bist du verrückt geworden?“ Er stöhnte und zerrte weiter an der Leine.
Doch das ging jetzt gar nicht. Meine Freundin, Cockerspaniel Susi, hatte hier ihre Duftprobe hinterlassen. Das roch nach Hochzeitstanz. Also stemmte ich mich fest nach hinten. Es gab einen Ruck, danach löste sich die Leine vom Halsband.
„Petzi, komm sofort bei Fuß!“, schrie Pit.
Unmöglich, schließlich ging es um Susi. Ich drehte mich blitzschnell um, raste davon und verschwand unter einem großen Busch. Von dort aus sah ich, wie Pit nach einigem Rufen aufgab und nach Hause rannte.

Gerade, als ich zurück zum Weg wollte, kam mir Wolfram, ein ergrauter, großer Schäferhund, entgegen. Ich plusterte mich auf und zeigte Kampflust.
Er sah mich durchdringend an und sein Fell richtete sich auf. Dann brummte er mit tiefer Stimme: „Kleener Foxterrier, ich könnte dein Großvater sein. Lass gut sein, verschwinde einfach!“
Mit erhobenem Kopf stolzierte er an mir vorbei.

„Komischer Alter, egal“, murmelte ich und eilte zu der Stelle, wo es so herrlich nach Susi gerochen hatte. Ich fragte ich mich, ob ich sie heute noch besuchen sollte.

In diesem Moment knackten Äste hinter mir. Wolfram raste aus einem Gebüsch heraus, gar nicht mehr stolz. Er lief auf mich zu. Dabei ertönte hinter ihm ein Geräusch, als ob Hölzer aufeinanderschlugen. Sehen aber konnte ich nur einen Schatten.
Direkt vor mir stoppte Wolfram. Er dreht sich um. „Herrgottsdackel, hier hast du Frischfleisch. Das ist sicher viel besser als meine alten Knochen.“
Ich zuckte zusammen. Der Herrgottsdackel, das war der Tod. „Wenn der sich einem Hund zeigt in der Gestalt eines riesigen Dackelskeletts, mit feuerspeiendem Blick und dazu den Namen des Hundes zweimal ruft, ist es vorbei mit dem Hundeleben“, hatte mich meine Mami gelehrt. Und der war jetzt hier? Ich begann zu zittern.
„Wa-wa-was willst du von mir, Herrgottsdackel?“, stammelte ich.
„Nimm ihn, verschone mich!“, frohlockte Wolfram.
Da sah ich rot. Wollte der Alte mich opfern? Mit einem Satz war ich bei Wolfram und wollte ihm gerade an die Gurgel gehen, als die mächtige Stimme des Herrgottsdackels ertönte:
„Petzi, lass es gut sein!“
Ich ließ mich auf den Boden fallen und legte meinen Kopf auf die Vorderpfoten.
„Nun zu dir, Wolfram. Eigentlich sollte ich dich heute holen, denn du hast in letzter Zeit so viel Mist gebaut, dass es bis zum Himmel stinkt. Steh auf, wenn ich mit dir rede.“
Da stand der alte Hund mit gebeugtem Kopf und hängendem Schwanz. Jetzt tat er mir fast ein wenig leid.
„Aber auf meiner Liste steht nur noch ein Hund, den ich holen muss, und der heißt anders als du. Dir kann ich nur raten: Bessere dich, dass ich keine Klagen mehr höre!“

„Ich werde es versuchen“, beteuerte Wolfram und wackelte vorsichtig mit der Rute.

Ich atmete erleichtert auf.
Ehe wir uns versahen, war der Schatten vom Herrgottsdackel verschwunden.

Meine Freundin Susi fiel mir wieder ein. Ich eilte auf den Weg, wo es so köstlich geduftet hatte. Plötzlich ertönte lautes Gebell. Von überall kamen Straßenköter angelaufen. Hannibal, ein schäferhundgedackelter Rottweiler, der sich immer als Anführer aufspielte, kläffte begeistert: „Sieh da, meine Susi ist reif für mich. Da werde ich gleich –“,
Weiter kam er nicht.
„Nein, sie gehört mir!“, bellte ich, so laut ich konnte, leider kläfften aber noch drei andere Hunde mit mir.
Sofort entbrannte ein Kampf. Da wurde gebissen, gerissen, mit lautem Knurren und Bellen
Es floss sogar Blut.
Mitten im Durcheinander tönte Wolframs Stimme wie ein grollender Donnerschlag:
„Aufhören, hört sofort auf! Oder wollt ihr, dass der Herrgottsdackel euch gleich hier einsammelt?“
„Herrgottsdackel? Ich will meine Susi!“, stieß Hannibal hervor.
Ich kniff ihn noch einmal in den Schwanz, danach kehrte Ruhe ein. Wir starrten Wolfram an.
„Ja, guckt nicht so! Der Herrgottsdackel sucht nach Opfern, er war gerade hier, nicht wahr, Petzi?“
Statt einer Antwort fing ich an zu zittern.

Da ging ein Ruck durch unsere Reihen. Tim, Rudolf und Herkules, ein kleiner Dackel, verschwanden mit eingekniffenem Schwanz in der Dunkelheit. Zurück blieben Hannibal, der Boxer Raul, Heinrich, ein schäferhundgedackelter Spitz, und ich.
„Ihr seid also echte Anwärter für Susi?“, fragte Wolfram und sah uns nacheinander tief in die Augen.
Mein Zittern ließ allmählich nach. „Susi gehört mir“, stieß ich hervor.
„Nein, mir!“, riefen alle Hunde wie im Chor. Das roch nach erneutem Kampf.
„Schluss, aus!“ Wolframs Augen schienen Feuer zu speien. „Ich weiß eine friedliche Lösung für euch – wollt ihr sie hören?“
Zögernd ertönte einstimmig: „Ja!“ …

Fortsetzung folgt, siehe Buch

Die Fortsetzungen und weitere Geschichten finden Sie unter:

Heike Wiezorek „Frisch aus der Feder, Kurzgeschichten querbeet, gewürzt mit Humor“, Kaufpreis  8,90 €.
Bei Thalia, Hugenbrock, bei Amazon und auch in kleineren Buchhandlungen kann man das Buch bestellen und käuflich erwerben.

Über einen Eintrag in meinem Gästebuch würde ich mich freuen.

ANTHOLOGIEN


Machandel Verlag: Hauffs Märchen, „Der Kleine Muck hat Großes vor.“
Mein Betrag: „Das Mädchen Klara“

             

 

 

Elke Bockamp: „Gans in Buchstabensuppe, eingeschlagen in Silberpapier, weihnachtliche Geschichten“
Meine Beiträge: „Eins, zwei drei, Weihnachtsglöckchen eil herbei!“
                              „Auf ein Neues, Weihnachtsglöckchen!

 

STATT BLUMEN GRÜNE STIELBLÜTEN: Erlesene Kurzgeschichten aus dieser und anderer Welten

Elke Bockamp: „Statt Blumen grüne Stilblüten. Erlesene Kurzgeschichten aus dieser und anderer Welten“
Mein Beitrag: „Ziemlich beste Freundinnen°