Frisch aus der Feder, Kurzgeschichten querbeet, gewürzt mit Humor

Nach dem Erscheinen meines dritten Gedichtbandes wechselte ich von der Poesie zur Prosa. Auf Wunsch meiner Kinder entstand nun ein Buch mit Kurzgeschichten. Lehnen Sie sich zurück und genießen unvergessliche Momente: Erleben Sie einen Urlaub an der holländischen Nordseeküste.
Heimlich organisiert ein Ehegatte eine Geburtstagsfeier, doch seine Frau flirtet mit einem anderen Mann, da sie sich einiges nicht erklären kann. Ein Spukhaus fördert ungeahnte Geheimnisse heraus
Ist es ein Aprilscherz oder ein Banküberfall? Der Herrgottdackel sucht nach neuen Opfern, wen wird es treffen? Da gibt es noch eine Maus, die eine Oma total in Panik versetzt. Ein echter Lesespaß.

Erschienen Dorante Edition, Herstellung und Verlag: BoD

Hier drei Leseproben:

Das Spukhaus

Das Straßenfest im Amselweg war ein voller Erfolg für die meisten Anwohner. Heide und Gerd Frings stellten sich ihren neuen Nachbarn vor.

„Herr und Frau Hansen, Sie sind unsere nächsten Nachbarn. Dürfen wir Sie einmal einladen auf ein Gläschen?“
Frau Hansen drehte sich um zu einem anderen Nachbarn, tat so, als ob sie Heide nicht gehört hätte. Herr Hansens Lächeln war wie weggepustet. Ernst wurde sein Blick. Was hatte das zu bedeuten? Heide schluckte, dann fragte sie ihn direkt:
„Gibt es etwas, was mein Mann und ich über unser Haus wissen sollten?“
Herr Hansen blickte auf den Boden, es war, als ob er sich sammeln würde. Dann strafften sich seine Schultern, er sah sie an.
„Ja, also, Ihre Villa, alt ist sie und hat viele Generationen erlebt. Hochherrschaftlich war sie einst, als sie dem Juden Rosenbaum gehörte. Man sagt, es soll ein wenig spuken in Ihrem Haus …“ Gerd gesellte sich zu Heide, legte einen Arm um sie.
„Spuken?“
„Na ja, wir wissen alle nicht genau, was wirklich in Ihrer Villa passierte. Tatsache ist, dass Ihre Vorbesitzer, die Meiers, bei Nacht und Nebel das Haus verließen, es weit unter Wert verkauften und in eine andere Stadt zogen.“
Herr Hansen trank einen Schluck Bier und strich sich mit dem Handrücken über den Mund. Danach huschte ein Lächeln über sein Gesicht.
„Sie fühlen sich aber wohl in Ihrem Haus?“
Heide konnte diese Frage oder Feststellung nicht einordnen. Sie drückte sich fester an ihren Mann. „Wenn die Renovierungsarbeiten abgeschlossen sind, wird die Villa für uns ein richtiges Traumhaus sein. Möchten Sie sich das Ergebnis vielleicht einmal ansehen?“
„Lieber nicht!“, erwiderte er, danach wandte auch er sich ab.

Kälte beschlich Heide und Gerd. Sie merkten, dass alle sie beobachteten. Sie fühlten sie sich wie hinter einer Glaswand. Niemand davor machte den Versuch, mit ihnen zu reden.

Am Abend stand Gerd auf der obersten Stufe der Trittbrettleiter und versuchte, einen Nagel für ein großes Ölgemälde in die Wand zu schlagen, doch der Nagel rutschte immer ab. Er klopfte mit der Faust gegen die Wand, und merkte gleich, das war kein Mauerwerk.
„Gib mir doch bitte mal das Teppichmesser“, bat er seine Frau Metall wurde sichtbar, als er die Tapete an einer Stelle löste. Mit den Fäusten klopfte er die Fläche ab und kam an die Grenze, wo das Metall aufhörte und das Mauerwerk anfing. Genau dort setzte er das Teppichmesser an und legte eine rechteckige Fläche frei. Als er nach unten sah, bemerkte er eine schmale Wulst. Mit dem Schraubenzieher konnte er die freigelegte Tür nach unten klappen. Heide hatte einen Tisch geholt, auf den sie beide kletterten. Sie starrten in die Dunkelheit. Wie Höhlenforscher kamen sie sich vor, als sie mit Taschenlampen leuchteten. Die gegenüberliegende Wand war eng mit schwarzen Buchstaben und Daten beschrieben.
„Das sind Tagebuchaufzeichnungen, eindeutig!“, flüsterte Gerd.
„Sieh nur, da oben links: 8.11.1943. Die Kälte ist grausam …“
(Fortsetzung folgt im Buch)

 Plagegeister

Es war am Ende des Sommers 1949. Mein großer Bruder Pit und ich, seine jüngere Schwester Klara, verbrachten die Ferien bei den Großeltern in einem hessischen Dorf. An einem sonnigen Tag erkundeten wir die Umgebung. In einem mit Gras bewachsenen Hohlweg starrten wir auf die obere Kante, wo etwas tiefer reges Leben herrschte. 

„Poch, sind das viele!“, rief ich aus. In schmalen Gängen, die wir zum Teil einsehen konnten, huschten unzählige Feldmäuse hin und her.
„Ob wir wohl ein paar fangen können?“, fragte Pit. Mit einem Stöckchen stach er in einen Gang. Die Maus, die plötzlich stehen bleiben musste, riss er mit der linken Hand an sich. Sie zappelte heftig.
„Hier, Klara, steck sie in deine Hosentasche!“, befahl er und wollte sie mir geben. Ich kreischte und wich einen Schritt zurück.
„Das geht nicht! Ich … ich hab Löcher in beiden Taschen“, stammelte ich.
„So was Blödes, muss ich immer alles alleine machen?“
Ich schaute nach unten.
Entschlossen stopfte mein Bruder die zappelnde Maus in seine Hosentasche. Mit einer Hand drückte er gegen den Rand, um sie zu verschließen.
„Was willst du denn mit der Maus machen?“, fragte ich.
Er starrte mich an, dann rief er: „Hörst du die Kirchturmglocken läuten? Auf geht’s! Oma wartet auf uns.“ Mit diesen Worten rannte er los, ich hinterher.

Wir erreichten Omas Haus. Unten an der Haustür atmeten wir durch.
„Pst“, flüsterte er, „ich hol die kleine Holzkiste aus unserem Schlafzimmer.“
Etwas später kam Pit damit zurück.
Laut rief ich nach oben: „Oma, wir sind da!“
„Habt ihr auch die Brennnesselspitzen für den Salat mitgebracht?“
Entgeistert sahen wir uns an.
„Mutti macht den Salat immer ohne Brennnesseln und der schmeckt uns prima“, antwortete Pit.
Mir zischte er zu: „Öffne den Deckel, schnell!“ Aber der klemmte.
„Also habt ihr sie vergessen?“, stellte Oma fest. „Kommt bitte sofort rauf, Schuhe ausziehen und Hände waschen!“
In diesem Moment fiel die Kiste. Pit versuchte sie aufzufangen. Er griff mit beiden Händen zu. Pfeilschnell huschte die Maus aus seiner Tasche. Sie raste nach oben, wo Oma am Herd in einem Topf rührte.
Pit eilte hinterher, ich folgte ihm. Zu spät, die Maus lief über Omas Hausschuh nach hinten, wo sie in einem großen Bogen wieder auf Oma zusauste.
„Oh, nein!“ Oma fiel der Löffel aus der Hand auf den Herd. Es roch nach Schokoladenpudding, dann nach Verbranntem.
Mit einem riesigen Satz stürzte Oma auf einen Stuhl zu, kletterte hinauf. Leider war der zu schwach für diese Aktion und brach zusammen. Oma fiel mit einem Schrei auf den Boden. Die Maus huschte an ihr vorbei, die Treppen hinunter ins Freie.
Pit und ich blickten auf Oma. Sie hielt sich das rechte Handgelenk, an dem sofort eine Schwellung gewachsen war. Tränen rollten über ihr Gesicht.
Opa eilte aus dem Keller herbei.
„Was ist denn hier passiert? Was ist los?“
„Wir wollten das nicht …“, schluchzte ich auf.

„Was wolltet ihr nicht? Was habt ihr gemacht?“ Er eilte zum Herd. Dort stieß er den angekokelten Löffel in den Puddingtopf. Beides bugsierte er ins Spülbecken. Ein entsetzlicher Gestank breitete sich aus. Er riss ein Fenster auf.
Dann baute er sich vor uns auf. Sein Gesicht lief rot an. Ich versteckte mich hinter meinem Bruder. „Ich weiß nicht …“, stammelte Pit.
„Es waren nicht die Kinder“, Oma stöhnte auf. „Es war eine Maus, die mich erschreckt hat.“ Sie wischte sich die Tränen ab. „Alfred, wolltest du nicht gestern Mausefallen aufstellen?“
(Fortsetzung folgt im Buch)

Kein Aprilscherz

Es war Montag, der 1. April. Der Automat im Vorraum der Sparkasse funktionierte nicht. Um Geld abzuheben, betrat ich deshalb die Schalterhalle.
Als ich seitlich an einem Schalter stand, hörte ich hinter mir einen Schuss. Leute schauten sich um, warfen sich auf den Boden. Ein Mann mit dunklem Anzug, hellem Hemd und Krawatte, offensichtlich ein Bankangestellter, raste an mir vorbei. Ohne zu überlegen, lief ich hinterher. Es ging durch einen Flur, eine Treppe hinunter, wieder durch einen Gang, danach verschwand der Mann durch eine Tür. Ich hechtete ihm nach.

„Tür zu!“, donnerte eine Stimme. „Wir müssen die Tische dagegenstellen! Fassen Sie mit an, los!“
Das war schwierig, denn meine Lunge schien zu bersten. Außer mir und dem jungen Mann gab es noch eine junge Frau in dem Raum. Zu dritt verbarrikadierten wir die Tür. Danach erblickte ich eine vierte Person. Ein kleiner Mann mit rundlicher Figur stand mitten im Zimmer. Mit einem Taschentuch wischte er sich über das Gesicht.
„Hermännchen, schrei nicht so“, flüsterte ihm die junge Dame zu, die auf ihn zueilte. Sie wirkte furchtbar lang und unglaublich dünn, sie hing quasi in dem eleganten blauen Kostüm.
„Gut gemacht.“ Scheinbar übersah er sie. „Geben Sie mir bitte Ihre Handys. Ich muss meinen Chauffeur anrufen. Er soll uns am Hinterausgang rausholen.“
Ich zuckte zurück: „Das geht nicht, mein Sohn wartet auf mich, ich will –“
„Tut mir leid, Herr Direktor, ich krieg keine Verbindung“, sagte der junge Mann.
„Hermännchen, die Leitung ist auch tot“, stellte die Dame fest.
„Sag nicht Hermännchen zu mir, für Sie bin ich Dr. Krautweiler. Her mit dem Handy!
„Es geht nicht, Doktorchen.
„Jan, kannst du mich hören?“, rief ich in mein Gerät.
In dem Moment entriss mir der Direktor das Handy und donnerte los: „Das ist ja wohl die Höhe! Ich brauch die Verbindung nach draußen. Oder wollen Sie ewig hier unten bleiben?“
Wie versteinert starrte ich ihn an. Er versuchte mehrmals, jemanden zu erreichen, aber überall lief nur die Mailbox. Schließlich schrie er: „Krampe, dies ist ein Notruf, melden Sie sich sofort, Direktor Krautweiler.“
Über uns wurde es sehr laut, es ertönten Schreie, wieder fielen Schüsse, Gegenstände krachten zu Boden. Ich zuckte zusammen und blickte hoch.
„Das scheint ein Überfall zu sein. Hoffentlich sind wir hier sicher.“ Zu mir gewandt fuhr der Direktor fort: „Ich muss Ihr Handy konfiszieren, Sie können später telefonieren. Wer sind Sie überhaupt?“
„Ich glaube, ich bin die wichtigste Person in diesem Raum.“ Mit diesen Worten richtete ich mich zu voller Größe auf. „Mein Name ist Heide Kowalski, ich bin Kundin Ihres Hauses. Also benehmen Sie sich bitte entsprechend. Ohne uns Kunden gäbe es schließlich keine Sparkasse.“
„Lassen Sie doch bitte das Streiten!“ Der junge Mann trat auf uns zu, seine rote Krawatte hing wie auf Halbmast. „Mein Name ist Plöger, ich bin Finanzmanager. Bitte, ich brauch das Handy. Meine Frau ist im achten Monat schwanger. Ich weiß nicht, was passiert, wenn sie nichts von mir hört.“ Er streckte seine Hand aus.
Doch der Direktor drehte sich um, vielleicht etwas zu schnell. Er verlor das Gleichgewicht, taumelte, mein Handy fiel zu Boden, Glas splitterte.
„Nein!“, schrien wir alle wie im Chor auf. Es folgte eine Schrecksekunde.
(Fortsetzung folgt im Buch)