KRIMIS

FURCHTBAR, EINFACH FURCHTBAR

Gitta kam aus dem Reihenhaus und betrat die Strandstraße Richtung Dünen und Meer. Sie trug einen großen Sonnenhut, eine Sonnenbrille, ein buntes Strandkleid und Badeschuhe. Über der Schulter hing eine Standtasche. In einer Mulde in den Dünen breitete sie eine Decke aus. Das Kleid ließ sie zu Boden gleiten, danach eilte sie zum Wasser. Ein knappsitzender Bikini unterstrich ihre zierliche Gestalt.

Das alles beobachtete eine alte Frau, die sich hinter einem Sanddornbusch in unmittelbarer Nähe versteckt hielt. Ein ausgeblichener Strohhut bedeckte den Kopf, lange graue Strähnen schauten drunter her.

Nach dem Baden und Abtrocknen streckte sich Gitta auf ihr Tuch aus. Mit dem Hut deckte sie ihr Gesicht ab. Einen Schlager von den ‚Bläck Föß‘ trällerte sie leise in abgewandelter Form vor sich hin: „Oh, Thomas, ich hab mich verloren, verloren in dich -“ Plötzlich hörte sie ein Geräusch.
Ehe sie sich jedoch versah, war die Alte bei ihr und schnitt ihr mit einem Rasiermesser die Kehle durch. Gitta hatte keine Chance bei diesem Angriff. Als ihr ein letztes Röcheln entfuhr, murmelte die die Alte: „Tut mir schrecklich leid!“ Dabei drückte sie ein dunkles Tuch auf die Schnittstelle. Den Hut legte sie so, dass man nichts von der Tat sehen konnte.
Sich aufrichtend schaute sie nach links und rechts, doch niemand schien ihr Treiben bemerkt zu haben.
Langsam ging sie gebeugt zum Hafen, wobei sie sich auf ihren Stock stützte. Ihr grünes Sackkleid flatterte im Wind.
Gerade lief die Fähre vom Festland ein. Menschen standen an der Kaimauer. Die alte Frau mischte sich unter sie. Autos verließen das Boot. Im Sonnenlicht erkannte sie den Porsche von Thomas. „Alles klar“, nuschelte die Alte.