FANTASIEGESCHICHTEN

VIEL WIND UND EIN BISSCHEN MEHR

Ein alter Professor experimentiert an einer selbstentwickeltense Maschine.
Es kommt zu einer Explosion, sein Hut verschwindet in einem Loch in
der Mauer.

Ja, ich bin sein bestes Stück, quasi sein Markenzeichen. Das liegt sicher an
dem grauen Filz, der geschmückt ist mit einem grünen Band direkt über der
schmalen Krempe. Er trägt mich immer, manchmal sogar beim Schlafen. Ich
glaube,,ich rieche nicht gut. So rümpfen oft die Besucher die Nase, bevor sie
einen Schritt zurücktreten.
Egal, jetzt sause ich durch die Luft. ich drehe mich schnell mit der Krempe nach
oben. „Hei, das macht Spaß“, schreie ich und fliege knapp an einem Kirchturm
vorbei. Krähen weichen mir zunächst mit lautem Gekrächze aus.
Was bist du denn für ein seltener Vogel?“ fragen sie. Die größte will es wissen.
Sie stürzt auf mich zu und pickt so fest sie kann in meine linke Seite. Es zwickt

ein wenig, trotzdem rufe ich: „Nur zu du altes Ekel, das kitzelt wunderbar!
Wollt ihr nicht alle mich zwicken?“
Sofort fallen sie über mich her, rechts, links, ringsherum.
Ich aber mache mich ganz steif und halte einfach ihre Schnäbel fest.
Sie geraten in Panik, hauen wild mit den Flügeln um sich. Das hört sich an, wie
Musik. Federn fliegen. Ich versuche einen Walzer zu tanzen, was sie noch mehr
in Rage bringt. Dann lasse ich sie auf einmal los. Während ich beschwingt weiter fliege, eins, zwei, drei, landen sie auf einer Wiese, zerrupft und zerstreut. Sie sehen sich an, um dann krächzend übereinander herzufallen. …

TATWAFFE: EINHANDMESSER

Es war einem Sonntagabend. Nebelschleier zogen an Imkes kleinem Dachfenster vorbei. Imke saß an ihrem Schreibtisch. Sie wollte für ihr Studienfach Belletristik eine Geschichte schreiben. Dabei dachte sie an die Fortsetzung der Geschichte, die ihr am letzten Sonntag gut gelungen war.
Sie bemerkte, wie es in ihrer Studentenbude langsam dunkel wurde. Der hell erleuchtete Bildschirm ihres Laptops schien sie aufzufordern, endlich mit dem Schreiben zu beginnen.
Plötzlich hörte sie ein Geräusch aus der rechten Ecke des Raumes. Es kam vom Fußboden. Gebannt starrte sie dorthin. Eine kleine Holzleiste schabte hin und her, bis sie mit einem Schwung zur Seite flog. Zwei Mäuse zerrten und drückten einen Gegenstand durch den entstandenen Spalt ins Zimmer.
Imke traute ihren Ohren nicht. Sie hörte piepsige Stimmen, die richtig erbost klangen.
„Wir haben dir schon tausendmal gesagt, wir brauchen keinen Beschützer. Du macht uns Angst, verschwinde aus unserem Leben!“ Blitzschnell liefen die beiden Mäuse zum Spalt zurück. Mit vereinten Kräften konnten sie die Leiste von innen zurecht rücken.
Imke hielt die Luft an. Ein Einhandmesser richtete sich in voller Größe auf und stöhnte. Kleine Füße rechts und links hielten es aufrecht. Kleine Arme und Hände fuchtelten durch die Luft. „Blöde Mäuse, wartet, wenn ich euch erwische! Ich werde euch mit Vergnügen das Fell abziehen, versprochen!“
Messer, Feuer, Schere Licht, sind für kleine Mäuse nicht, hi, hi“, ertönte es aus der Ecke.
Das Messer drehte sich um. „Egal, ich brauche jetzt eine Ecke zum Verweilen, vielleicht auch ein paar Freunde.“ Mit kleinen Schritten tapste es durch den Raum auf die Küchenzeile zu. „Komisch, wie sich hier alles verändert hat! Das ist nicht der alte Schrank, wo ich immer lange brauchte, um in die Besteckschublade zu kommen.“ Es blickte nach oben. „Hört mich jemand? Ich bin ein Einhandmesser und suche einen Schlafplatz. Lasst ihr mich zu euch?“
Eine flache Schublade sprang auf. Das Schlagen von Metall auf Metall schwoll an. Ein langes Fleischmesser schob sich vor und schaute herab. „Lass dich mal ansehen, passt du zu uns?“ Es haute dreimal kräftig auf den Boden. Sofort hörte das Geklapper auf.
Das Einhandmesser reckte sich. Mit seinen Händen strich es über die Klinge. „Siehst du ich bin spitz und scharf und kann alles schneiden“, versuchte es sich einzuschleimen, „Tja, und stechen kann ich auch noch.“ Dabei drehte es sich langsam im Kreise.
„Halt ein, das reicht. Du bist kein Tafelmesser, du bist eine richtige Waffe.“
„Kann man so sagen.“ Nach einer Pause fuhr das Einhandmesser fort: „Darf ich euch verteidigen?“
Sofort wurde es wieder laut in der Schublade, Stimmen fragten durcheinander: „Wogegen verteidigen? So ein Schwachsinn! Ist das bekloppt.“
Ruhe!“ rief das Fleischmesser. Der Lärm verstummte. „Das ist so bei uns“, fuhr das Fleischmesser fort, „wir dienen dieser Fimke, unserer neuen Herrin.“
In der Schublade ertönte lauter Protest: „Imke heißt sie“, riefen sie wie im Chor.
Auch gut, diese Imke benutzt uns zum Schneiden, Zubereiten und Essen der Mahlzeiten. Sind wir danach so dreckig wie du, werden wir in heißem Schaumwasser gebadet und geschrubbt, anschließend trocken gerieben.“Das kitzelt, da müssen wir immer laut lachen“, tönte es aus der Schublade.
Unterbrecht mich nicht immer!“ Wütend klatschte das Fleischmesser auf den Rand. „Weiter mit dir da unten. Wenn wir so aussähen wie du, abgenutzt, dreckig und zerkratzt, würden wir gleich im Abfall landen.“ Es holte tief Luft. „Dann wäre es aus mit uns.“ Entschlossen fügte es hinzu: „Du musst dir eine andere Bleibe suchen.“ Mit einem Klack verschwand das Fleischmesser.  …